Wer in Italien nach einem Tartufo Cremino fragt, bekommt je nach Region zwei verschiedene Dinge gezeigt: einen würfelförmigen Schokoladenklassiker mit mehreren Schichten oder eine runde, in Kakao gewälzte Trüffelpraline mit demselben cremigen Kern. Beides ist richtig, und beides hat denselben Ursprung – die piemontesische Schokoladentradition rund um Turin. Dieser Beitrag erklärt, was einen Cremino ausmacht, woher er kommt und worin sich der Tartufo Cremino davon unterscheidet.
TL;DR – Das Wichtigste auf einen Blick
• Ein Cremino ist eine geschichtete Praline: Gianduia zwischen zwei Lagen heller Schokolade, klassisch als Würfel.
• Erfunden wurde er 1858 in Turin, bei der Confetteria Baratti & Milano an der Piazza Castello.
• 1911 gewann Majani aus Bologna einen Wettbewerb von Fiat mit einer vierschichtigen Variante – dem bis heute produzierten Cremino Fiat.
• Der Tartufo Cremino überträgt dasselbe Prinzip auf die runde Trüffelform: Gianduia trifft auf weiße Schokolade.
Cremino: die klassische Schichtpraline
Der klassische Cremino besteht aus drei Schichten, die sich abwechseln. In der Mitte sitzt Gianduia – jene Mischung aus Milchschokolade und fein gemahlenen Haselnüssen, für die das Piemont berühmt ist. Umgeben wird sie von zwei äußeren Lagen aus heller oder weißer Schokolade. Die Form ist würfelförmig, die Verpackung traditionell Alufolie mit Papierbanderole.
Diese Bauweise erklärt den Namen. „Cremino" ist die Verkleinerungsform von „crema", und genau das ist der Effekt: Durch den hohen Haselnussanteil schmilzt die mittlere Schicht spürbar schneller als die äußeren. Man beißt durch eine feste Hülle und trifft auf einen weichen Kern – ein Texturkontrast, den eine gegossene Vollmilchpraline nicht hinbekommt
Vom Turiner Café zum Fiat-Wettbewerb
Die Spur führt nach Turin. 1858 gründeten Ferdinando Baratti und Edoardo Milano an der Piazza Castello ihre Confetteria, und dort entstand der würfelförmige Cremino. Urkundlich belegt ist die Rezeptur allerdings erst ab 1934, was in der italienischen Süßwarengeschichte keine Seltenheit ist – die Häuser schrieben ihre Rezepte selten auf.
Berühmt wurde die Praline durch einen Werbewettbewerb. 1911 suchte Fiat anlässlich des neuen Modells Tipo 4 nach einer Süßigkeit, die zum Wagen passte. Gewonnen hat die Bologneser Chocolaterie Majani mit einer Variante, die statt drei vier Schichten hatte: abwechselnd Gianduia und Mandelschokolade, als Anspielung auf den Vierzylinder. Der Cremino Fiat wird bis heute produziert und gilt als eines der ältesten durchgehend hergestellten Markenprodukte Italiens.
Cremino Schokolade heute: die wichtigsten Varianten
Was als Gianduia-Würfel begann, ist inzwischen eine ganze Produktfamilie. Cremino Schokolade gibt es bei Herstellern wie Caffarel, Venchi, Pernigotti und Majani, und die Füllungen haben sich weit von der Ursprungsrezeptur entfernt:
• Cremino al limone – mit Zitronencreme, vor allem in Süditalien verbreitet
• Cremino al caffè – mit Kaffeeschicht, kräftiger und weniger süß
• Cremino al pistacchio – mit Pistaziencreme, oft in Grün sichtbar geschichtet
• Cremino alla mandorla – mit Mandelschokolade, die Fiat-Linie
• Laktosefreie und vegane Varianten, meist auf Basis von Haselnusspaste ohne Milchpulver
Gemeinsam ist allen das Prinzip: eine weichere, fetthaltigere Mittelschicht zwischen zwei festeren Außenschichten. Wo das fehlt, ist es keine Cremino Schokolade, sondern eine gefüllte Praline.
Woran man Qualität erkennt, steht auf der Rückseite. Ein guter Cremino nennt die Haselnuss weit vorn in der Zutatenliste und kommt ohne Palmöl und andere pflanzliche Fremdfette aus – gerade bei der cremigen Mittelschicht ist die Versuchung groß, Kakaobutter durch billigeres Fett zu ersetzen. Auch die Herkunftsangabe der Nüsse lohnt einen Blick: Steht dort Piemont, ist das ein gutes Zeichen.
Tartufo Cremino: dasselbe Prinzip in Trüffelform
Im Piemont hat sich daneben eine zweite Bauform durchgesetzt. Der Tartufo Cremino nimmt die Schichtidee und formt sie rund: ein Kern aus Gianduia, umschlossen von weißer Schokolade, zum Schluss in Kakaopulver gewälzt. Statt des klaren Würfelschnitts bekommt man eine Kugel, deren Schichten man erst beim Durchbeißen bemerkt.
Der Tartufo Cremino von Antica Torroneria Piemontese zeigt die Gewichtung gut: 45 Prozent Milchschokolade mit Gianduja-Haselnussfüllung treffen auf 43 Prozent weiße Schokolade, dazu kommen Haselnusspaste und Kakaopulver. Die weiße Schokolade ist hier also kein Dekor, sondern gleichberechtigter Bestandteil – sie bringt die Milchsüße, die die Haselnuss trägt. Mit 14 Gramm pro Stück ist ein Tartufo Cremino deutlich größer als die kleinen Tartufini und eher ein Dessert als ein Mitnahmestück.
Hergestellt wird er in Grinzane Cavour bei Alba, mitten im Anbaugebiet der Tonda Gentile Trilobata, die seit dem 2. Dezember 1993 als Nocciola Piemonte IGP geschützt ist. Wer die weiteren Sorten desselben Hauses vergleichen möchte, findet sie auf der Übersicht Tartufi Dolci aus dem Piemont sowie gesammelt bei Antica Torroneria Piemontese.
Richtig genießen und lagern
Ein Cremino entfaltet sein Aroma bei Raumtemperatur. Aus dem Kühlschrank geholt schmeckt er flach, weil die Gianduia-Schicht nicht schmilzt – genau der Effekt, der die Praline ausmacht, fällt dann weg. Lagern Sie die Packung deshalb kühl, trocken und dunkel bei etwa 16 bis 18 Grad, nehmen Sie die Stücke aber rechtzeitig heraus.
Dazu passt kräftiger Espresso oder ein Glas Moscato d'Asti. Und falls Sie unsicher sind, welche Richtung Ihnen liegt: Probieren Sie einen Tartufo Cremino neben einer dunklen Sorte – der Unterschied zwischen Milchsüße und Kakaobitterkeit ist bei dieser Praline besonders deutlich.
Wenn Sie den Unterschied selbst schmecken möchten: In unserem Sortiment finden Sie den Tartufo Cremino und die übrigen Sorten aus Grinzane Cavour, alle palmölfrei und direkt von der Manufaktur ausgewählt. Bei Fragen zu Zutaten oder Allergenen schreiben Sie uns einfach – hinter dem Shop stehen Simona und Christoph, keine Standardantwort.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Cremino und Gianduiotto?
Der Gianduiotto besteht durchgehend aus Gianduia und hat die Form eines umgedrehten Bootes. Der Cremino ist geschichtet und würfelförmig: Gianduia in der Mitte, hellere Schokolade außen.
Ist ein Tartufo Cremino dasselbe wie ein klassischer Cremino?
Nicht ganz. Die Zusammensetzung ist verwandt – Gianduia und weiße Schokolade –, die Form aber rund statt würfelförmig, und außen kommt eine Schicht Kakaopulver dazu.
Enthält Cremino Schokolade Alkohol?
In der Regel nicht. Klassische Rezepturen kommen mit Schokolade, Haselnusspaste und Zucker aus.
Ist Cremino glutenfrei?
Häufig ja, weil kein Mehl in der Rezeptur steckt. Verbindlich ist aber immer die Angabe des Herstellers auf der Packung – der Tartufo Cremino von Antica Torroneria Piemontese ist als glutenfrei deklariert.
Wie lange ist Cremino haltbar?
Kühl und trocken gelagert mehrere Monate. Das genaue Mindesthaltbarkeitsdatum steht auf der Verpackung.